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Wo die Sonne es gut meint mit den Weinbergen, da sind zumeist alkoholstarke und extraktreiche Weine das Resultat - so lautet eines der ehernen Gesetze des Weinbaus. Es ist also durchaus nicht unplausibel, wenn sich nach landläufiger Meinung spanische Rotweine durch eben diese Eigenschaften auszeichnen. Im Allgemeinen. Und sollte, was im Allgemeinen zutreffend ist, nicht umso mehr gelten für jenen Wein, der auch heute noch als der spanische Rotwein par excellence gilt? Für den klassischen, fassausgebauten Roten, der der Rioja zu Ruf und Meriten verholfen hat? Die Art der Frage souffliert natürlich die verneinende Antwort. Und in der Tat: Die klassischen Riojas fügen sich durchaus nicht in dieses gängige Bild. Sie glänzen nicht etwa durch einen mächtigen Körper, sondern durch Eleganz und Finesse; es sind, wie David Schwarzwälder ausführt, "im Grunde filigrane, feine Weine, die durch lange Holzlagerung eine klare, rubinrote Farbe aufweisen"...
Riojas solchen Zuschnitts werden zumeist im Barrique von amerikanischer Eiche ausgebaut, und es ist dieser Holzausbau, der den Weinen ihre typischen Röst- und Vanillearomen, ihre weiche Art und ihr zurückhaltendes, elegantes Holztannin vermittelt. Bemerkenswert ist allerdings nicht nur der Fassausbau an sich, entscheidend ist vielmehr auch die Dauer der Reifezeit in den jeweiligen Qualitätsstufen, die, im Verein mit der sich an die Fasslagerung anschließenden Flaschenreifung, für eine hervorstechende und für manche Weingenießer sicher entscheidende Eigenart dieser Weine sorgt: Traditionelle Riojas kommen fast immer trinkreif auf den Markt - und haben in den meisten Fällen dennoch ein nicht unerhebliches Lagerpotential zu bieten!
Diese Eigenart verdankt sich neben dem Fassausbau aber auch dem Tempranillo, der bedeutendsten und edelsten spanischen Rebsorte, die wie kaum ein zweite zur Erzeugung langlebiger Weine taugt. In einem Rioja von althergebrachten Stil trifft man sie fast immer im Verschnitt an: Eine typische Assemblage enthält einen Tempranillo-Anteil, der zumeist zwischen 75 und 90 Prozent beträgt; die Restmenge verteilt sich auf verschiedene Anteile von Garnacha, Mazuelo und Graciano. Dieser Verschnitt ist durchaus im Sinne der Qualitätsverbesserung zu verstehen, da die Weine bei einer kunstvoll gehandhabten Zusammenstellung an Komplexität und Ausdruck gewinnen. Viele Bodegas haben über Generationen hinweg ihre höchsteigenen, kellereispezifischen Varianten entwickelt. Diese bisweilen jahrhundertealte Erfahrung ermöglicht es ihnen, Produkte von oft grandioser Raffinesse herzustellen: Rotweine von hoher Komplexität, denen der duftige, beerige Charakter des Tempranillo und die elegante Weichheit und Süße seiner Tannine, die ausgewogene Eichenholzwürze amerikanischer Barriques und eine feine, gut herausgearbeitete Säurestruktur zu eigen ist.
Von diesem klassischen Stil lässt sich eine jüngere Entwicklung hin zu konzentrierteren Weinen mit einer kräftigeren Tanninstruktur unterscheiden, die sich in gewissem Maße überschneidet mit einem weiteren Trend der jüngsten Jahre: kleinere wie größere Bodegas erzeugen in zunehmendem Maße Weine aus Einzellagen, während es in früheren Jahren üblich war, dass die Kellereien ihr Lesegut aus verschiedenen Weinbergen bezogen. Die meisten dieser Einzellagenweine, bei denen es sich fast immer um reinsortige Tempranillos handelt, gehören dem neueren Weintypus an, der sich durch verkürzte Fasslagerungszeiten, eine konzentriertere, dunkle Farbe, Extraktreichtum, eine kräftigere Frucht und deutlicher ausgeprägte Fruchttannine auszeichnet. Der Holzausbau findet bei diesen Weinen in neuen Fässern statt, die mehr Holz- bzw. Toastgeschmack verleihen; zunehmend setzt man dabei auch auf Barriques aus französischen Holz, dem nachgesagt wird, dass es etwas süßer und intensiver wirkt. Kurzum: Liebhaber fruchtbetonter, opulenter Weine mit markanter Struktur werden an den Gewächsen dieses neueren Typus sicher ihre helle Freude haben.
Nicht vergessen darf man schließlich, wenn es um die typischen Weine der Rioja geht, den Vino Joven. Unter diese Bezeichnung fällt jeder Rotwein, dessen Fass- und Flaschenlagerungszeit unter dem für Crianzas festgelegte Mindestmaß liegt. Oft handelt es sich bei den Jungweinen um sortenreine Tempranillos, die früh trinkreif sind, jedoch nicht über eine ausgeprägte Lagerfähigkeit verfügen. Sie präsentieren sich in leuchtend violetter Farbe, sind ausgesprochen frisch und fruchtbetont und erfreuen sich nicht nur in Spanien selbst großer Beliebtheit. Jedenfalls bei denen, die es süffig mögen.
Rioja-Rotweine erfreuen sich inzwischen eines Bekanntheitsgrades, der ihrer Qualität
leidlich angemessen ist. Entsprechendes lässt sich in Bezug auf die Weißweine der Region noch nicht behaupten.
Die Popularität hinkt der Qualität offensichtlich hinterher, was eine kurze Charakteristik dieser Gewächse um
so dringlicher erscheinen lässt. Die könnte, unter dem Vorbehalt, dass keine Typisierung einer Sache wirklich
gerecht wird, wie folgt aussehen.
Die Weißweine der Rioja lassen sich in drei Typen einteilen: junge, bei niedriger
Temperatur vergorene Weine, Weißweine mit längerem Holzausbau und solche, die im Fass vergoren werden. Bis
in die jüngste Zeit war allen drei Typen gemeinsam, dass sie auf Basis der
Viura-Traube hergestellt wurden.
Diese Rebsorte, die in Katalonien unter der
Bezeichnung Macabeo die Grundlage für die
berühmten Cavas der Region liefert, erbringt fruchtige
Weine mit einer frischen und angenehmen Säure. Viura-Moste sind zudem in nur geringem
Maße oxydationsanfällig und eignen sich daher für einen längeren Holzausbau bzw.
die Gärung im Barrique.
Bisweilen und insbesondere bei den klassischen, fassgereiften Weißweinen der Region wird neben
Viura auch etwas
Malvasia beigegeben, eine Traube, die
aromatische, alkoholreiche und manchmal etwas ölige Weine hervorbringt, sich jedoch für den reinsortigen
Ausbau nicht eignet.
Seit 2007 gehört diese übersichtliche Rebsortensituation der Vergangenheit an. Die
Kontrollbehörde der Rioja hat den
Rebsortenspiegel durch die Neuzulassung sowohl autochthoner weißer Rebsorten wie auch dreier internationaler
Stars runderneuert. Zur Gruppe der
autochthonen Sorten
zählen sowohl die durch intensive Fruchtaromen und eine bemerkenswerte Säure beeindruckenden
Maturana blanca und
Tempranillo blanco, wie
auch die eher weichere, körperbetontere Turruntés. Zur Gruppe der nationalen wie
internationalen rechnen
Chardonnay,
Sauvignon blanc
sowie die in Region in Spanien beheimatete Edelsorte
Verdejo.
Angesichts dieser massiven Veränderungen ist klar: in den nächsten Jahren ist, was die Weißweine der
Rioja betrifft, hinreichend für Spannung und interessante Neuigkeiten gesorgt. Bis die
Situation zu gesicherten Erkenntnissen herangereift ist, mag als vorläufige Richtschnur unsere dreiteilige
Typologie der Rioja Weißweine dienen:
Junge Weißweine: Basis ist hier zumeist, wie schon erwähnt, die Viura-Traube. Solche
Weine sind angenehm leicht und erfrischend, haben eine ausgeprägte Frucht und wollen jung getrunken werden.
Fassausgebaute Weißweine: Das sind die klassischen, höchst eigenständigen Weißweine der Rioja,
die immer seltener anzutreffen sind. Sie präsentieren sich in goldgelber Farbe, haben bisweilen
eine fast ölige Konsistenz und können einen unvergleichlich filigranen, durch die vom Holz herstammenden
Vanillenoten und eine feine Säure geprägten Charakter entwickeln.
Fassvergorene Weißweine: Auf dem Etikett solcher Weine prangt zumeist deutlich sichtbar der Schriftzug
"fermentado en barrica" und informiert darüber, dass der Most dieses
Weines im Barrique vergoren wurde. Bei dieser Ausbaumethode ist zumeist keine besondere Kühlung nötig,
da die große Oberfläche der kleinen Holzfässer eine ausreichende Wärmeabgabe nach außen ermöglicht. Die Weine
sind körperreich, manchmal beinahe cremig, und verfügen über ein Alterungspotential von 2 – 6 Jahren. Ihre
komplexen Aromen profitieren von der Faßgärung, denn da der Wein auch nach der Gärung noch einige Monate
im Fass über dem Bodensatz der Hefe liegen bleibt, nimmt er nicht nur Aromastoffe aus dem Holz, sondern
auch aus den abgestorbenen Hefen auf.
Der überwiegende Teil der Roséweine der Rioja wird heute auf Basis der
Garnacha-Traube
hergestellt, die fast ausschließlich aus der
Rioja Baja stammt.
Die Garnacha Tinta zeichnet sich durch Extrakt,
Körper und eine weiche Frucht aus, und so verwundert es nicht, dass die Rosados der
Rioja sich meist recht körperreich und saftig präsentieren. Darüber hinaus wissen sie
aber auch durch eine beerige Frucht und eine gefällige, frische Säure zu beeindrucken. Junge
Rosados dieser Art erweisen einer sommerlichen Küche vorzügliche Dienste.
Ausgesprochen selten sind demgegenüber heutzutage fassgelagerte Rosados anzutreffen.
Diese Raritäten werden nur noch von einigen traditionsbewussten Kellereien erzeugt, wobei anzumerken ist,
dass im Gegensatz zu den Rot- und Weißweinen der Region Rosados
allenfalls als Crianza, nicht jedoch als Reserva oder Gran Reserva anzutreffen sind. Für solche Weine gilt
wie für die fassgelagerten Weißweine der Region, dass einige ihrer Vertreter im Zusammenspiel von Frucht
und den Röstaromen des Holzes eine unvergleichliche Raffinesse zu entwickeln in der Lage sind.
In der Rioja wird viel Handarbeit im Weinbau geleistet. Viele Weinberge sind in Einzelstockerziehung angelegt, d.h. die Ernte erfolgt als Handarbeit. Schon im Weinberg achten die Winzer darauf, dass möglichst wenig unreife Trauben oder Blätter in das Lesegut gelangen.
Die Rioja bietet den Verbrauchern höchste Garantien bezüglich der Herkunft, des Jahrgangs und der Reifungszeiten jedes einzelnen Weines. Von der Weinkontrollbehörde, dem Consejo Regulador de Origen, werden (je nach Lagerungsstufe) vier verschiedene Rückenetiketten/Exportbescheinigungen an die Bodegas vergeben, wenn sie die rigorosen Qualitätskontrollen erfolgreich bestanden haben. Zur Qualitätssicherung verfügt die Rioja als einzige Weinbauregion der Welt über fälschungssichere Rückenetiketten, deren Hologramm wie auf Geldscheinen die Authentizität jeder einzelnen Flasche garantiert.
Rückenetikett aus den 20iger Jahren