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Weinkatalog 2011/2012

Sehr geehrte Weinfreunde,
im Februar des vergangenen Jahres konnte man in der englischen Tageszeitung The Guardian einen Artikel aus der Feder eines renommierten Weinexperten lesen, in dem dieser der Zunft der Weinkritiker ein vernichtendes Zeugnis ausstellte: Deren Ratschläge seien, da jeder Mensch über ein individuelles Geschmacksprofil und einen individuellen Gaumen verfüge, schlicht „bunk“ - bloß Quatsch. Wer sich in Sachen Wein auf anderer Leute bzw. anderer Gaumen Ratschlag verlasse, versuche, so dieser Experte weiter, sich einen Schuh anzuziehen, der ihm nicht passt.

Hätte der gute Mann damit Recht, so könnten Sie die Lektüre unseres neuen Kataloges nunmehr beenden und ihn - den Katalog, nicht den Experten - der Obhut Ihres Papierkorbes anvertrauen. Denn er wimmelt ja nur so vor gut gemeinten Weinempfehlungen von Leuten, deren Geschmacksprofil nicht das Ihrige ist. Freilich lässt sich mit guten Gründen bezweifeln, dass wir - um das Bild unseres Sachverständigen aufzugreifen - tatsächlich alle unterschiedliche Schuhgrößen haben; auch die Leser des Guardian mussten natürlich nicht allzu lange auf den Abdruck eines entsprechenden Widerwortes aus der Hand eines anderen Weinprofis warten.

Im Grunde ist dieser Expertenstreit bloß eine Variation auf eine uralte Frage: Lässt sich über Geschmack tatsächlich nicht streiten, weil es immer bloß mein eigener ist, oder gibt es vielleicht doch so etwas wie objektive Kriterien, anhand derer sich z.B. entscheiden ließe, was ein guter und empfehlenswerter Wein ist? Wer sich für dieses Thema interessiert, dem sei das vor Kurzem erschienene Buch The Philosophy of Wine: A Case of Truth, Beauty and Intoxication des englischen Philosophen Cain Todd empfohlen, das sich mit dieser Frage auf deutlich höherem Niveau als die Artikelschreiber des Guardian auseinandersetzt.

Natürlich ist diese Literaturempfehlung nicht ganz uneigennützig: Mr. Todds Ausführungen retten die Ehre unseres Kataloges, indem sie zeigen, dass wir eben nicht bloß subjektive Eindrücke wiedergeben, wenn wir beispielsweise den 2008er Quinta Alaude als „ausgewogen“ bezeichnen oder in der 2007er Piscina Seleccion Vanille- und Schokonoten entdecken. Spannende Lektüre also für den theoretisch interessierten Weinfreund. Für die genussreiche Praxis, um die allein es am Ende geht, sind die folgenden Seiten zuständig. Lassen Sie sich von Spaniens unvergleichlicher Weinwelt verführen. Ganz subjektiv.
Zum Wohle! Ihr Rioja-Weinspezialisten-Team

Weinkatalog 2010/2011

Sehr geehrte Weinfreunde,
als Spanien im Jahre 1986 Mitglied der Europäischen Gemeinschaft wurde, schwante Kennern Ungemach. Man befürchtete, dass der europäische 'Weinsee' – ein Begriff, der zu dieser Zeit beinahe so geläufig war wie der von den notorischen 'Butterbergen' – nun endgültig alle Dämme brechen würde. In der Tat war dies eine Vermutung, deren Berechtigung man nicht ohne Weiteres von der Hand weisen konnte: Nicht nur verfügte Spanien damals - und verfügt auch heute noch - über die größte Weinanbaufläche der Welt, das Land hatte zudem seit dem Ende der Reblausplage Anfang des 20. Jahrhunderts immer wieder mit einer überschießenden Produktionsmenge zu kämpfen gehabt.

Plausible Gründe also, sollte man meinen, für berufene Auguren, Land unter im Abendland zu prognostizieren. Und dennoch haben sie sich geirrt: Das große, europaweite Planschen im Weinsee, es hat nicht stattgefunden. Dass es nicht dazu kam, verdankt sich nicht zum geringsten Teil ausgerechnet dem dazumal beargwöhnten spanischen Weinbau. Der nämlich vollzog in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Wende weg von der Quantität und hin zur Erzeugung von hochwertigen Weinen, die in Europa ihresgleichen sucht.

An ihr Ende gekommen ist diese Bewegung hin zu qualitativ hochwertigen Produkten noch lange nicht. Angesichts des enormen Potenzials, dass in Spaniens riesigen Rebflächen schlummert, ist ein solches Ende auch überhaupt nicht absehbar. Man darf sich vielmehr sicher sein, dass immer wieder Neues zu entdecken sein wird. Und daher sind wir auch in diesem Katalog wieder in der erfreulichen Lage, Ihnen bemerkenswerte Newcomer präsentieren zu können. Junge Kellereien wie etwa Bodegas Carmen Rodriguez Mendez, Bodegas Arlese oder Bodegas Recoletas also, deren Name zwar – und in Hinsicht auf Ihr Portemonnaie gewiss auch: zum Glück – noch nicht die Titelseiten der inzwischen zahlreichen Weinmagazine ziert, die aber gleichwohl unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Denn sie verstehen sich vortrefflich darauf, großartige Weine herzustellen, die sowohl preiswert als auch preiswürdig sind.
Zum Wohle! Ihr Rioja-Weinspezialisten-Team

Weinkatalog 2008/2009

Sehr geehrte Weinfreunde,
irgendwann sind sie vielleicht auch Ihnen schon mal auf die Nerven gegangen: Weinexperten. Diese Gattung, die sich übrigenseiner stetig zunehmenden Artenvielfalt erfreuen darf, lässt sichzunächst, grob und ohne Anspruch auf Wissenschaftlichkeit in zwei Kategorien unterteilen. Zum einen gibt es da die ausgewiesenen Experten, die manchmal sogar mit einem Zertifikat wedeln können: Sommeliers, Önologen und Kellereibesitzer lassen sich hier als Beispiele anführen. Zum anderen findet sich aber auch die Kategorie der selbsternannten Experten, deren Exemplare natürlich weitaus häufiger anzutreffen sind. Klassische Vertreter dieser Spezies sind Männer in reiferen Jahren, die insbesondere in Gegenwart jüngerer Damen dazu neigen, ihre profunden Fachkenntnisse auch ungefragt preiszugeben.

Ohne Zweifel ist das Gefahrenpotential, dass von der letzteren Kategorie ausgeht, als ungleich höher einzustufen. Aber man kannsich schützen, und zwar durch die Lektüre einer Dissertation mit dem – zugegebenermaßen drögen –Titel "Taste: A Study in the Representation of Chemical Substances in the Arena of Consciousness". Darin wird nachgewiesen, was viele Weinfreunde vielleicht schon immer geahnt haben: dass es nämlich um die Objektivität der Expertengattung nicht immer zum Besten bestellt ist. Nun ist zwar unsere Einleitungsseite zu kurz, um einige der pikantesten Ergebnisse dieser Studie wiederzugeben – auf unserer Internetseite werden wir demnächst etwas genauere Informationen zur Verfügung stellen können -, aber ein Beispiel wollen wir Ihnen dennoch nicht vorenthalten. Anlässlich einer von vielen Verkostungen, die der Verfasser der Studie, Frédéric Brochet,veranstaltete, kredenzte er einer Runde ausgewiesener Experten einen Weißwein, der recht typische Beschreibungen hervorrief: ":frisch, trocken, lebendig und mit Honignoten". Einige Zeit späterkam derselbe Wein erneut auf den Tisch, allerdings rot gefärbt. Das Urteil der nichtsahnenden Experten: "intensiv, würzig, geschmeidig, tief". Sic transit gloria mundi, wenn das mal nicht klassisches Rotwein-Vokabular ist.

Heißt das aber nun, dass man auf das Urteil auch ausgewiesener Experten nichts mehr geben sollte? Mitnichten, und auch Brochet selbst kommt keineswegs zu einer solchen Schlussfolgerung. Aber ein wenig Respektlosigkeit kann nie schaden, nebst dem Vertrauen in die eigenen Geschmacksknospen. Und wenn Sie dann noch den Informationen der folgenden Seiten Vertrauen schenken, sind Sie auf der sicheren Seite. Das belegt die entzückte Äußerung einer unserer qualifizierten Mitarbeiterinnen bei der letzten hausinternen Verkostung: "Das sind doch alles Weißwein-Aromen, ey, das ist verrückt, oder? Was wir jetzt haben, sind alles typische Weißwein-Aromen." Auf dem Tisch stand übrigens ein Rotwein. Brochet hätte keine Chance.
Zum Wohle! Ihr Rioja-Weinspezialisten-Team

Weinkatalog 2007/2008

Sehr geehrte Weinfreunde,
sie sind die Gralshüter des qualifizierten und geschützten Ursprungsgebiets Rioja, die Damen und Herren des Consejo Regulador de la Denominación Calificada Rioja, des gestrengen Kontrollrats der noch immer berühmtesten Weinbauregion Spaniens. Unermüdlich wachen sie darüber, dass Geist und Buchstabe der Satzung der Herkunftsbezeichnung eingehalten werden und garantieren so dem Verbraucher, dass nur solche Weine das begehrte Etikett "D.O.Ca. Rioja" erhalten, die die hohen Ansprüche dieser Satzung hinsichtlich Anbau, Herstellung, Abfüllung und Vermarktung auch tatsächlich erfüllen.

Nun gehören Gralshüter qua Profession nicht zu einem Menschenschlag, der sein Fähnchen gerne in den Wind hängt. Das Wort bringt es schon zum Ausdruck: man hütet, erhält und wacht über das Bewährte. Man ist konservativ und schüttelt sich innerlich ein wenig, wenn man veränderten Umständen schließlich doch Tribut zollen muss. So geschehen im Januar des Jahres 2007: Der Kontrollrat hat sich geschüttelt, und heraus kam dabei eine Veränderung des Rebsortenspiegels. Die erste übrigens seit 82 Jahren, und eine spektakuläre dazu: Gab es bisher nur sieben zugelassene Rebsorten, so sind es nun 16. Hinzugekommen sind - nach einem jahrelangem Entscheidungsprozess - sechs weiße und drei rote Sorten. Man kann natürlich dessen gewiss sein, dass nicht jeder mit der Auswahl des Kontrollrats glücklich geworden ist.
So wird am 12. Januar dieses Jahres das Grummeln der Fraktion der Cabernet-Sauvignon-Befürworter wahrscheinlich riojaweit zu hören gewesen sein, während umgekehrt die riojanische ABC-Brigade (anything but Chardonnay) auch zum Jahresausklang ihre Magenschmerzen noch nicht losgeworden sein dürfte.

Aber hier ist nicht der Ort, jede Feinheit des veränderten Rebsortenspiegels auszudiskutieren. Stattdessen möchten wir unser Augenmerk auf die für Liebhaber seltener und hochwertiger Rotweine interessanteste Neuzulassung richten: die Rebsorte Maturana Tinta. Der Bestand dieser autochthonen spanischen Varietät, die farbkräftige, elegant strukturierte und hocharomatische Weine erbringt, welche häufig pfeffrige Nuancen aufweisen, war in jüngster Zeit auf gerade einmal 20 Rebstöcke zusammengeschrumpft. Es verwundert also nicht, dass der Kontrollrat sich nachgerade gezwungen sah, zu handeln. Gehandelt hat, in Zusammenarbeit mit dem Consejo Regulador, auch Bodegas Ijalba. Wenn Sie diesen Katalog aufmerksam durchblättern, werden Sie feststellen, dass wir den weltweit einzigen reinsortigen Maturana Tinta in unser Programm aufgenommen haben, den Dionisio Ruiz Ijalba. Und der hat die Hoffnungen, die man in den Erhalt dieser Rebsorte setzt, nicht enttäuscht: Goldmedaillen in Paris und London geben davon schon jetzt Zeugnis ab.

Zum Wohle! Ihr Rioja-Weinspezialisten-Team

 


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