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Mag sein, dass die Textsorte Kellerei-Portrait nicht der rechte Ort ist für genealogische Ausschweifungen, aber angesichts der beeindruckenden Ahnentafel der Familie Ramírez de la Piscina - ihres Zeichens Betreiber der gleichnamigen Bodega in San Vincente de la Sonsierra in der Rioja Alta - müssen wir hier eine solche Ausschweifung plazieren. Schließlich trifft es sich auch in Spanien selten, dass an der ehelichen Wurzel eines Stammbaums so illustre Gestalten wie eine Tochter des spanischen Nationalhelden El Cid und ein navarresischer Prinz werkeln. Kreuzritter war dieser Prinz namens Don Ramiro Sanchez obendrein, und so traf sich's, dass er am 29. Juli 1099 bei der Eroberung Jerusalems just an jener Stelle die Mauern der Stadt überwand, wo sich ein uralter Teich befand, der Piscina probatica. Seinen Namen verdankte dieser Teich (lat. piscina) dem Umstand, dass er sich in der Nähe des Jerusalemer Schafmarktes befand (probatica ist das lateinische Lehnwort zu gr. probatikos, ‘zum Kleinvieh gehörig’).
Zurück in Spanien regelte Don Ramiro sogleich die Erbfolge. Während sein ältester Sohn die Rechte am Königreich Navarra erhielt, vermachte er dem jüngeren Sancho Ramirez die Ländereien La Sonsierra de Navarra und befahl ihm, als Ausdruck seiner Dankbarkeit für die geglückte Heimkehr aus dem heiligen Land eine Kirche zu erbauen. Der Sohn tat's, nannte die Kirche Santa Maria de la Piscina probatica de Jerusalem - und sich selbst fortan Ramirez de la Piscina.
Sie steht noch heute, die Kirche, deren Name nach einer Abkürzung schreit, und keine drei Kilometer
weiter bauen Sanchos‘ Nachfahren Wein aus. Wohltuend unprätentiös und solide
geht es dabei zu, unerachtet aller VIP-Vergangenheit. Und nicht Kreuzritter-Geschichten prägen mehr die
Erinnerung der Eignerfamilie, sondern drei Generationen Weinbau: Wenn Cecilio Ramirez,
einer der drei verantwortlichen Brüder, an seine Jugend denkt, dann hört er kein Waffengeklirr, sondern
den monotonen Klang einer Handpresse und die eigenartigen Geräusche, die entstehen, wenn man Weintrauben
mit den Füßen zertritt.
Dass es einem solchen Prozedere gegenüber heutzutage weitaus moderner zugeht, versteht sich.
Die jahrzehntelange Tradition gereicht der Kellerei gleichwohl zum Vorteil, denn bei der Weinbereitung
kann man überwiegend auf Lesegut aus eigenen Weinbergen zurückgreifen. Wo dies nicht hinreicht, stehen
die Weinberge der weitverzweigten Verwandtschaft hilfreich und auf qualitativ höchstem
Niveau zur Seite. Ausgebaut wird der Wein in Kellereianlagen, die im Jahre 2004
vollständig neu errichtet und mit modernster Technik ausgestattet wurden. Bei der Bereitung junger Weine
nutzt die Kellerei das Verfahren der karbonischen Mazeration,
die Trauben werden also unentrappt und ungemahlen fermentiert, um fruchtige und tanninarme Weine zu erzielen.
Für die Weine, die im Fass ausgebaut werden sollen, wird das Lesegut bei Ramirez de la Piscina
jedoch entrappt und einer Maischegärung unterzogen, bei der vermittels eines ausgeklügelten Verfahrens ein
optimaler Kontakt von Traubenschalen und Frucht gewährleistet wird. Resultat sind extraktreiche Weine von
eleganter Struktur, großer Nachhaltigkeit und jüngst der Neigung, auf internationalen Weinmessen Preise abzuräumen.
Cecilio Ramirez de la Piscina betreibt zusammen mit seinen Brüdern, Schwester, Schwager, Neffen und Nichten das Familienunternehmen. Er selbst ist der Weinmacher, Neffe Salva tritt aber mit einem Önologie-Studium bereits in seine Fußstapfen.
Das kleine Kirchlein Santa Maria de la Piscina dient den Nachfahren heute noch als Treffpunkt.
Julio de la Piscina, der Vater der heutigen Besitzer, kaufte in seinem Heimatdorf Abalos in der Rioja Alta Weinberge, die aufgrund der spezifischen Klima- und Bodenverhältnisse zu den besten Lagen der Rioja zählen. Ein großer Stein mit dem Namen der Familie markiert den Weinberg.